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Kein bestimmter Bereich Neue Zeitrechnung - selbst gemacht
cramilu
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Themenstart: 2020-07-22


WARNUNG:
Dieser Thread ist wohl nur etwas für wirkliche SPINNER ;)

Gestern habe ich ein früheres "Machwerk" von mir wiederentdeckt, nämlich meinen "reformierten" Kalender samt "reformierter" Zeitrechnung.

Danach schrieben (Konjunktiv!) wir heute den "5. Hitzmon 6.240 [seit "Thout"]". Um "19:37 Uhr MESZ" war es danach "8:18 Uhr MEDZ", also 8 Dezimalstunden zu jeweils 100 Dezimalminuten plus 18 weitere Dezimalminuten seit Mitternacht, denn "mein" Tag hätte exakt 100.000 Dezimalsekunden!

Die zu Grunde liegende Jahreslänge ist - nach langwierigem inneren Widerstreit - doch nicht die "anomalistische", welche dem "Bahnjahr" entspricht, sondern die gewohnt "tropische", also dem [scheinbaren] "Sonnenjahr" entsprechend. Schließlich hat ja denn doch die Stellung der Erdachse zur Sonne erheblich mehr Einfluss auf den für uns alle kulturell maßgeblichen Wetterverlauf übers Jahr als unser schwankender Abstand zur Sonne!

Das Jahr hat demnach wie gewohnt 365,24219... Tage - die "Jahresschaltung"  erfolgt in etwa so wie beim "griechisch-orthodoxen" oder "neujulianischen" Kalender!

Die ersten 364 Tage des Jahres verteilen sich gleichmäßig auf 13(!) Monate, und der letzte ist eben um einen Tag länger, bzw. im "Schaltjahr" um zwei! Jeder außer dem letzten Monat umfasst so genau vier Wochen zu je sieben Tagen.

Mein "Nulljahr" hatte ich seinerzeit aus dem nachvollziehbaren "1. Thout" der alten Ägypter (19. "Juli" -4.241 v.Chr.) und einer... irgendwie... nach der seinerzeit mit 76,02 Jahren angenommenen Periode des Halley'schen Kometen um 20 Jahre korrigierten Zeitspanne seit "240 v.Chr." ermittelt...
Die Begründung für das "Nulljahr" -4.713 der "Julianischen Tageszählung" war mir schon immer unschlüssig, die Herleitung des viel früheren "Nulljahres" des "Maya-Kalenders" schien mir schon immer gewagt, und andere hielt ich wohl für ähnlich unüberprüfbar...

NUN ZU DEN FRAGEN:

1. Wie würdet Ihr die gängige Jahreseinteilung "verbessern", wenn Ihr das frei dürftet, und aus welchen Gründen bzw. mit welchen Zielsetzungen?

2. Welches "Nulldatum" und ggf. welchen "Stichtag" zur Einführung Eueres eigenen neuen Kalenders würdet Ihr wählen, und mit welcher Begründung? Das möglichst frühe "Nulldatum" soll dabei jedoch so gewählt sein, dass die tatsächlich verstrichene Zeitspanne zwischen damals und heute möglichst gesichert belegbar ist! Also eben NICHT wie bei "vor/nach Christus" mit den bekannten Ungereimtheiten zum Geburtsjahr Christi...

3. Wer kennt sich in dem Zusammenhang gut genug mit dem "Jüdischen Kalender" aus, um historisch belegbar angeben zu können, wann der einst von der jüdischen Gemeinschaft eingeführt wurde etc.?

4. Wonach würdet Ihr Euere Monate benennen, so dass ich in Schreibweise und Bezug möglichst viele Kulturen wiederfinden können?

5. Was fällt Euch sonst noch dazu ein?

Ich bin gespannt wie der so oft bemühte "Flitzebogen"!

Liebe Grüße ;)



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stpolster
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.1, eingetragen 2020-07-22


Zu ein paar Fragen:

1. Jüdische Weltära
Die Ära erscheint im Talmud (5.Jahrhundert) und setzt das 400.Jahr nach der Zerstörung des zweiten Tempels 470 mit dem Jahr 4231 nach der Erschaffung der Welt gleich. Durch die komplizierte Bestimmung des Jahresanfangs ist es notwendig, nicht nur den Tag, sondern den exakten Zeitpunkt der Ära zu bestimmen. Schließlich wurde der Beginn der jüdischen Weltära auf Sonntag, den 6.Oktober 3761 v.u.Z. um 23:11:20 Uhr festgesetzt.

2. Der jüdische Jahresanfang wird zyklisch berechnet. Grundlage ist bildet die Konjunktion von Sonne und Mond, d.h. Neumond. Der Neumond des Monats Tishri bestimmt neben einigen Vorschriften den Neujahrstag.
 
Die mittlere Zeitspanne zwischen zwei Neumonden, der mittlere synodische Monat, wird mit 29 d 12 h 793 chalakim (29 d 12 h 44 min 33,3 s) angenommen. Die Epoche der Neumond-Berechnung, d.h. der Zeitpunkt, ab dem die Zählung der Jahre, Monate, Tage usw. erfolgt, ist der Neumond-Tishri des Jahres 1 der jüdischen Weltära. Der Sonntag, 6. Oktober 3761 v.u.Z. 23:11:20 Uhr, gehört nach der jüdischen Rechnung schon zum folgenden Tag und entspricht Montag, 5 h 204 chalakim.
 
Durch fortwährende Addition der angenommenen mittleren Länge eines synodischen Monats kann der Neumond eines jeden Monats berechnet werden. Der wirkliche Neumond kann sich auf Grund der komplizierten Mondbewegung um bis zu 14 Stunden von diesem errechneten Zeitpunkt entfernen.
Durch den Neumond wird der Anfang eines Monats im jüdischen Kalender festgelegt, wobei einige Vorschriften den Monatsersten um bis zu zwei Tage verschieben können.
Zwölf solcher Monate umfassen einen Zeitraum von 354,3713 d. Da das tropische Jahr um 11 Tage länger ist, werden in einem 19jährigen Zyklus 7 Schaltjahre eingefügt, um den Kalender mit den Jahreszeiten in Übereinstimmung zu halten. Schaltjahre sind die Jahre, die bei der Teilung der Jahreszahl durch 19 den Rest 0, 3, 6, 8, 11, 14 oder 17 lassen. Da die Monate streng an die Mondbewegung gebunden sind, können keine einzelnen Schalttage eingefügt werden. Es wird im Schaltjahr ein 13.Monat eingeschoben.
 
Ist der Neumond-Tishri eines Jahres bekannt, kann der Neumond-Tishri des Folgejahres durch Addition der 12fachen Länge des mittleren synodischen Monats berechnet werden. Ist das betreffende Jahr ein Schaltjahr, so wird die 13fache Länge addiert. Der Tag, an dem der Neumond-Tishri eintritt, ist, von 5 Ausnahmen abgesehen, der Jahresanfang. Diese Ausnahmen sind folgende:

Tritt der Neumond-Tishri um 18 h oder später ein, so wird der Jahresanfang auf den folgenden Tag verschoben. Der Neumond selbst ist dann ein "veralteter Molad".
Fällt der Neumond auf einen Sonntag, Mittwoch oder einen Freitag, so wird der Jahresanfang ebenfalls auf den nächsten Tag verschoben. Fällt der nach der ersten Regel verschobene Jahresanfang auf einen der genannten Wochentage, wird der Jahresanfang um einen weiteren Tag verschoben.
 
Findet in einem Gemeinjahr der Neumond-Tishri an einem Dienstag zwischen einschließlich 9 h 204 chalakim und vor 18 h statt, wird der Jahresanfang um zwei Tage auf den folgenden Donnerstag verschoben.
Findet der Neumond-Tishri in einem unmittelbar auf ein Schaltjahr folgenden Gemeinjahre am Montag von einschließlich 15 h 589 chalakim bis vor 18 h statt, wird der Jahresanfang um einen Tag auf den folgenden Dienstag verschoben.
Die ersten drei Verschiebungen resultieren aus religiösen Vorschriften, während die letzten beiden unzulässige Jahreslängen verhindern.

Wenn du ein kleines Programm suchst, dass den jüdischen Kalender enthält, dann findest du es unter
Nebenbei wird auch der chinesische (noch viel komplizierter als der hebräische) und der islamische Kalender berechnet.

3. Zu "meinem" bevorzugten Kalender:
Er beginnt am 1.Januar 2323 um 0 Uhr. Jedem Erdenjahr entsprechen dabei genau 1000 Einheiten der Sternzeit, d.h. jedem Erdentag entsprechen 2,73790926490113 Sternzeiteinheiten. Es geht also um "Sternzeit".
Damit ergibt sich zum Beispiel für heute, 22.7.2020 UT 0:00 h, eine Sternzeit von -302443,147.

Ich mag auch meine "Mathematikeruhr".
Erstens wird jede Mathematikerstunde in je 100 Mathematikerminuten mit wiederum jeweils 100 Mathematikersekunden geteilt.
Zweitens wird der Tag ebenfalls in 100 Mathematikerstunden unterteilt. Damit ist gewährleistet, dass nicht zwei verschiedene Skalen an der Uhr abzulesen sind wie bisher, wo auf 360° zum einen 24 Stunden, zum anderen 60 Minuten bzw. Sekunden abgetragen werden.
Drittens wird der Nullpunkt der Uhr entsprechend den Regeln des Koordinatensystems nach rechts und nicht nach oben verlegt.
Viertens läuft der Zeiger in mathematisch positiver, d.h. korrekter Richtung, also entgegen der bisher üblichen Uhrzeigerrichtung.
siehe

Das Jahr wird dann nach dem UNO-Weltkalender geteilt:
Alle Jahre sehen gleich aus. Jedes Jahr beginnt mit einem Sonntag. Die Monate kennen nur drei Varianten. Jeder Monat hat die gleiche Anzahl Tage und 22 Arbeitstage. Jedes Quartal hat 91 Tage. 4 Quartale zu je 91 Tage ergibt 364 Tage. Der 365.Tag (Silvester) wird zum Welttag. Der Schalttag wird nach dem 30.Juni eingeführt. Weltfeiertag und Schalttag tragen keine Wochentagsbezeichnung.
Als Ära könnte ich mir den UNO-Gründungstag 24.10.1945 0 h UT vorstellen.

LG Steffen    

Nachtrag: Ich sehe gerade, dass ich mit der Antwort nun ein SPINNER bin. Ok, damit kann ich leben.



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MontyPythagoras
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.2, eingetragen 2020-07-22


Hallo Cramilu,
ich finde die Frage sehr amüsant und keineswegs nur für Spinner geeignet.
Grundsätzlich: in der Astronomie gibt es schon eine metrische Zeitrechnung, und zwar wird dort die Zeit in der Einheit Tagen mit dezimalen Nachkommastellen gerechnet, beginnend mittags und nicht Mitternacht. So entsprach z.B. gerade eben Mittwoch, 22. Juli 2020, 21h 09m 46s dem astronomischen Julianische Datum 2459053.2984491.
Aber davon mal abgesehen würde ich folgende Forderungen an einen neuen Kalender stellen:
A. Basiseinheit ist der Tag, die Uhrzeit danach sollte definitiv auf dem Dezimalsystem beruhen. Gewöhnliche, dezimale Nachkommastellen sind dafür die einfachste Methode.
B. Die Sonne unterliegt in einem Jahr von ungefähr 365 Tagen einer sinusartigen Schwankung. Es gibt eigentlich 4 besondere Punkte: kürzester Tag, längster Tag und die beiden Sonnenwenden. Ein Jahr in 5 (weil 365 durch 5 teilbar ist) oder in 13 Einheiten aufzuteilen, macht daher für mich keinen Sinn. Eine Aufteilung in 4 Jahreszeiten oder meinetwegen in 8, 12 oder 16 Monate erscheint mir daher sinnvoller als jede ungerade Zahl, damit man beim Betrachten eines Datums sofort weiß: "ahh, kalt und dunkel!". Das Jahr sollte an einem dieser besonderen Tage, also am kürzesten oder längsten Tag beginnen. Weitere Einheiten wie eine "Woche" wären im Grunde nicht notwendig, aber der Wochenrhythmus hat sich nun einmal eingebürgert.
C. Den Nullpunkt der Zeitrechnung würde ich auf ein historisch belegtes Datum legen. Das ist schwieriger als man denkt. Damit scheiden nämlich alle weit zurückliegenden, religiösen Daten sowieso aus. Religiöse Daten haben schon aus Prinzip bei allen Andersgläubigen wenig Aussicht auf Akzeptanz.
Ich würde die Zeitrechnung daher an einem technischen Meilenstein beginnen lassen. Ein wesentlicher Meilenstein war in meinen Augen z.B. die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern, was sich leider nur auf einen Zeitraum von grob 2 Jahren eingrenzen lässt.
Ähnlich gravierend war die Entdeckung des elektrischen Stroms, die sich aber genauso wenig exakt datieren lässt.
Die erste Kernspaltung wäre vielleicht ein konkretes, aber auch unbeliebtes Datum, an das man ungerne erinnert werden möchte. Da könnte man ja auch gleich das Datum des Abwurfs der ersten Atombombe nehmen.
Genauso epochal war vielleicht noch die Erfindung des Internets, aber dann liegen die meisten geschichtlichen Daten halt im negativen Bereich.
Konsequenz: wir nehmen einfach irgendein Fantasiedatum, so wie jetzt auch. 😁
Zu erwartende Akzeptanz in der Bevölkerung: absolut null.

Ciao,

Thomas



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cramilu
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.3, vom Themenstarter, eingetragen 2020-07-23


Hallo Steffen , hallo Thomas...

In welcher - tatsächlich eher an Dur gemahnenden! - Tonart "Spinner" gemeint war, ist hoffentlich klar ;)

Schön, dass Ihr Interesse habt!

@Steffen:
Danke für Deine ausführlichen Erläuterungen zum jüdischen Kalender.
Die allermeisten Einzelheiten sind mir indes schon lange bekannt.
Bei der "Eichung" im Talmud sehe ich das gleiche grundsätzliche Problem wie bei einstigen "Annahme" des Jahres "754 ab urbe condita" für "Christi Geburt" durch Exiguus, nämlich "Mündliche Überlieferung mit traditionellen Korrekturen wird zu dogmatischer Festlegung durch ein eher ideologisch als wissenschaftlich ausgerichtetes Elitchen"...
Deine tatsächliche Kalendervorliebe weist Dich als waschechten "Trekkie" aus ;) Von den 178 Folgen "Next Generation" habe ich selber damals ab 1990 nur elf verpasst (Lieblingsfolge "The Naked Now", Staffel 1, Folge 3, erste nach dem Pilot-Doppel)... An der "Sternzeit"-Timeline haben mich seit jeher die mühselig herbeibegründeten "reboots" gestört. Auch die Ausrichtung am irdischen Sonnenjahr finde ich gemessen an sonstigen Ansprüchen der Serienphilosophie etwas eitel. Ähnlich wie heute in der Archäologie, wo unser jüngster Abschnitt des Pleistozäns unbedingt zum "Holozän" oder gar "Anthropozän" hochstilisiert werden muss.
Tut allerdings meiner eigenen Trekkie-Begeisterung keinen Abbruch!
Hinweis an dieser Stelle: "Sound Trek" von "J.B.O." ;)
"Hurra, hurra: Ich flieg' mit Picard! Was für ein Glück: Ich flieg' mit Jean-Luc!"
Die "Mathematikeruhr" hab' ich mir schon heruntergeladen - danke für den tollen Tipp!
Dein Vorschlag des Gründungsdatums der UNO als Beginn der neuen Ära ist ehrenwert. Mir wäre jedoch "aus dem Bauch heraus" etwas deutlich früheres lieber, und sei es nur, um sich die Mühe antun zu müssen, mögliche epochale Tageszeitmarken wirklich durch historisch belegbare Recherche "festnageln" zu können...

@Thomas:
Die Metrik des "Julianischen Datums" finde ich ja schön. Nur ist mir wie gesagt dessen "Nulljahr" von jeher suspekt. Ein Phantasiezeitpunkt, bei dem hypothetische Zählweisen zusammenfallen sollen... Ähnlich wie beim "Nulldatum" des Maya-Kalenders, wo auch keiner weiß, ob dessen tatsächliches Jahr der Erstverwendung nicht eines mit einer den Maya halt besonders symbolträchtigen Zahlenwirkung war (z.B. "4444" oder so!?).
Punkt "A" sehe ich wie Du.
Zu Punkt "B" sehe auch ich den 7-Tage-Wochenrhythmus als "gesetzt" an; siehe Wiki zur "Woche", Abschnitt "Es gibt keine Hinweise, [...]. Die Wochentage würde ich also unbedingt konsistent zu heute weiter durchlaufen  lassen. Fünf Einheiten für Jahreszeiten könnte ich mir durchaus vorstellen. In meiner schwäbischen Heimat war bei den Alten noch die Bezeichnung "Spätling" für die Zeit von August bis Oktober gebräuchlich. Fünf gleiche Dauern von je 71 Tagen sähe ich jedoch als ähnlich "unschön" an wie die vier unterschiedlichen Tageszahlen zwischen Sonnenwenden und Tag-Nacht-Gleichen.
Punkt "C" ist auch für mich schon immer ein Knackpunkt gewesen!
"572 seit Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern" klingt etwas sperrig ;) Und würden dann nicht die Chinesen vorhersagbar einwenden: "Moment: Haben wir sehr ähnlich schon viel länger gemacht!"? Religiöse oder allgemein ideologisch verbrämte Zeitmarken finde auch ich problematisch. Daher seinerzeit mein Bemühen, eine historisch einnordbare  Beschreibung einer Sonnen- oder Mondfinsternis aufzuspüren. Dann ab ins Planetarium und "Bingo": Muss vor genau 6.xxx [Sonnen]Jahren gewesen sein!  So war ich damals auf den Sothis-Zyklus gekommen.
Dein Einwand zur Akzeptanz ist für mich der zweite größere Knackpunkt!
Noch heute halten etwa die Amis stur an ihren "customary units" fest. Völkerverbindend anerkannte wissenschaftliche Erkenntnisse scheinen selbst anno(!) 2020 alles andere als ein universelles Gut zu sein...

Na dann erst einmal "Gute Nacht" ;)
Grüße,
Uli



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AnnaKath
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.4, eingetragen 2020-07-23


Huhu zusammen,

ich habe mir auch einen sehr handlichen (und hoffentlich völlig intuitiven!) Kalender ausgedacht...

Sei $T$ die Zeit (gemessen in Planck-Zeiten seit dem Urknall), in der das Universum den Big Rip erlebt (wir nehmen das Universum als ideales Gas mit einem Verhältnis von Vakuumdruck und Energierdichte von $w=-2$ an).
Sei $\phi : [0;T] \rightarrow [0,1]$ die Verteilungsfunktion der absolutstetigen Zufallsvariable mit rationalem Erwartungswert, Schiefe $\frac{aT}{1111s}$, Wölbung $\frac{s}T$, allen weiteren höheren Momenten von $0$ und dabei minimaler Varianz (unter allen rationalen Varianzen mit höchstens dreistelligem Nenner), $\chi : [0,1] \rightarrow [0,1]$ die Verteilungsfunktion einer absolutstetigen, symmetrischen Zufallsvariablen mit Varianz $a=(1+\sqrt5)/2$ und verschwindenden höheren Momenten, sowie $\sigma : [0,1] \rightarrow [0,1]$ eine weitere, gleichverteilte Zufallsvariablen (alle ZVen seien unabhängig).

Das heutige Datum (bzw. den aktuellen Zeitpunkt $t$) drücken wir bei gegebener Zeit $s$ aus durch $t = P_{\sigma}( [ 0.5-(\chi\circ\phi)(s)/2; 0.5+(\chi\circ\phi)(s)/2 ] )$.

Und als (*) Übungsaufgabe: Wie "spät" ist es derzeit?

lg, AK.

Ich finde die Diskussion ja lustig, will aber darauf aufmerksam machen, dass es völlig willkürlich ist, wie man einen Kalender konstruiert. Was natürlich nicht heisst, dass es keinen Spass macht das zu tun!



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cramilu
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.5, vom Themenstarter, eingetragen 2020-07-23


@AnnaKath: Auch nicht schlecht ;)
Ich wollte schon ernsthaft anfangen, zu rechnen, als mich die Erinnerung an die Abschätzung der "Planck-Zeit" vollgebremst hat. Abgeleitet über die Quadratwurzel eines Vielfachen der Gravitationskonstante...
Somit ist die "Planck-Zeit" mit einer relativen Unsicherheit von 1,1 × 10^(-5) behaftet. Eine darauf basierende Zeitrechnung würde also auf 3.000 Jahre eine Unwägbarkeit von 10 Tagen bedeuten. Einen "passend fragwürdigen" Kalender haben wir ja schon mit dem gebräuchlichen ;)
Wenn wir dann noch sämtliche relativistische und sonstige Unwägbarkeiten bei der Rückberechnung des "Urknalls" beachten, dann scheint mir das wenig "zielführend".
Mit der "Willkür" haben Sie natürlich Recht ;)



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Kitaktus
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.6, eingetragen 2020-07-25


Vor einiger Zeit hatte ich eine Uhr, die den Tag in 1000 Abschnitte unterteilte (und von Zeitzonen unabhängig war).
Da diese Angabe aber eher als Marketinggag eines bestimmten Uhrenherstellers daherkam, war absehbar, dass sich das nicht wirklich würde durchsetzen können.

Zur Wahl des "Null-Datums":
In der DDR war "man" kein Freund von religiös motivierten Datumsangaben. Gleichzeitig war man aber pragmatisch genug, keine alternative Zählweise einführen zu wollen. Das "Problem" wurde dadurch gelöst, dass man zwar die übliche Zählweise beibehielt, aber die Benennung änderte.
Statt "vor/nach Christus" hieß es "vor unserer Zeitrechnung / unserer Zeitrechnung". Augustus lebte also von 63 v.u.Z. bis 14 u.Z.

In der astronomischen bzw. wissenschaftlichen Jahreszählung wird ganz auf eine Bezeichnung des Nullpunktes / des Kalendersystems verzichtet und statt dessen positive und negative Jahreszahlen (sowie die Jahreszahl 0) verwendet.

Diese neutralen Ansätze gefallen mir besser, als relegiöse Ansichten anderen zwangsweise überzuhelfen.



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stpolster
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.7, eingetragen 2020-07-25


2020-07-25 15:51 - Kitaktus in Beitrag No. 6 schreibt:
In der DDR war "man" kein Freund von religiös motivierten Datumsangaben. Gleichzeitig war man aber pragmatisch genug, keine alternative Zählweise einführen zu wollen. Das "Problem" wurde dadurch gelöst, dass man zwar die übliche Zählweise beibehielt, aber die Benennung änderte.
Statt "vor/nach Christus" hieß es "vor unserer Zeitrechnung / unserer Zeitrechnung". Augustus lebte also von 63 v.u.Z. bis 14 u.Z.
Das ist schon richtig, aber seit 1994 gilt auch in Deutschland die europäische Verordnung (Europäische Norm EN 28601) zur Bezeichnung von Jahreszahlen. Diese sieht ausdrücklich keinen religiösen Bezug auf die vermutete Geburt Christi vor. Die Bezeichnung v.Chr. ist nach der Verordnung entweder durch negative Jahreszahlen oder v.u.Z. zu ersetzen.

Es ist aber so, dass Deutschland nur die europäischen Vereinbarungen wirklich umsetzt, die gefallen.

LG Steffen



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Bernhard
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.8, eingetragen 2020-07-26


Hallo cramilu!

Solche "Spinner" sind nichts Neues. Hast Du eigentlich shon einmal vom Französchen Revolutionskalender gehört? Ich glaube nicht, denn der kommt Deinen Vorschlägen so nahe, daß Du sie dann bestimmt nicht gemacht hättest.
Schau mal hier herein:
Der französische Revolutionskalender

Viele Grüße, Bernhard


-----------------
"Wichtig ist, daß man nie aufhört zu fragen"
"Weisheit ist nicht das Ergebnis der Schulbildung, sondern des lebenslangen Versuches, sie zu erwerben"
Albert Einstein



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cramilu
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.9, vom Themenstarter, eingetragen 2020-07-26


Bernhard, ... pfff...

Über eine solche Frage kann ich doch am 7. (8. in Nicht-Schaltjahren!) Thermidor im "Jahr CCXXVIII der Ersten Republik" nur müde lächeln...

Im Ernst:
1982 bekamm ich ein "Schlag nach!" geschenkt. Dort fand sich auch die Gauß'sche Osterformel - die mit Tabellen für D und M. Als neunmalkluger Bengel, der im gleichen Jahr seinen Konfirmandenunterricht begann, konnte ich wenige Wochen später im Kopf (!) Ostertermine zwischen 18xx und 21xx berechnen.
Meinen wiedergefundenen Aufzeichnungen zur Kalenderspinnerei habe ich entnommen, dass ich damit bereits 1993 angefangen habe. Enthalten sind auch Verweise auf Katalognummern der Unibibliothek. Mit Sicherheit habe ich damals den ägyptisch/julianischen, gregorianisch/orthodoxen, Revolutions-, jüdischen, mohammedanischen, persisch/afghanischen, chinesischen, Maya- und Aztekenkalender beäugt. Zu [alt]indischen Varianten scheint mir im Moment gar keine Erinnerung vorhanden...
PC-Textdokumente existieren seit 2004. Darin finden sich auch schon Verweise auf mögliche genaue Finsternisbeschreibungen der Antike durch Ägypter, Babylonier, Maya. Dem Kapitel mit Nilschwelle, "Thout", "Sothis-Periode", also ägyptischen Ursprüngen der Genauigkeit, scheine ich besondere Bedeutung beigemessen zu haben. Meine damaligen rechnerischen "Korrekturen" auf Grundlage der Halley-Periode haben sich inzwischen erübrigt. Nur 16 Jahre zurück ging man offenbar noch von recht stabilen 76,02 Jahren kometischer Periodendauer aus; inzwischen ist die NASA bei "75.32 a" - mit angenommen Schwankungen nach oben bis zu 79 Jahren. Na, toll!

So. Und wo kommt mein Vorschlag mit den 13 (!) Monaten jetzt dem Revolutionskalender nahe? Zwar wäre nach meinem Kalender heute der "8. Hitzmon", aber bei mir ist das schon der achte Monat, die Nähe der 8 zur 7 ist dann mehr oder minder zufällig, und die vermutliche Namensähnlichkeit zu "Thermidor" ist höchstens einer ähnlichen Wirkungsbetrachtung geschuldet.

Allgemein liegt es mir fern, religiöse Bedürfnisse anderer durch solche Überlegungen zu verletzen. Mag bitte jede[r/s] die Zeit zählen, wie sie/er/es das möchte. Mich treibt allein die akademische Frage um, ob es nicht "besser" ginge ;)



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Bernhard
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Hallo cramilu!

Entschuldigung, daß ich Dich anscheinend unterschätzt habe.
Klar, der Revolutionskalender arbeitet mit 12 Monaten und nicht mit 13, aber er hat auch soviel wie möglich dezimal "bereinigt". Immerhin taucht dadurch, daß das Jahr in 12*10*3+x und nicht in 13*4*7+x eingeteilt wird, der Faktor 10 noch einmal mehr auf. Besser wären vielleicht noch 10 Monate zu je 6 6-Tage-Wochen. Das wäre jedenfalls sehr arbeitnehmerfreundlich.🙂

Und hier noch ein paar Anregungen zur Suche nach einem Fixpunkt für Deinen Kalender.
1.) Wann genau das betreffende Ereignis war, spielt keine Rolle. Du könntest, wenn Du soweit wie möglich negative Datumsangaben vermeiden willst, bei der Festlegung gleich per definitionem z.B. 10000 Jahre zurückrechnen.
2.) Das Ereignis sollte real und möglichst lange möglichst genau nachprüfbar sein. Am besten durch unterschiedliche historische Belege, mit anderen veknüpft und weltweit von Bedeutung.
3.) Ich würde also nicht nur ein Ereignis alleine nehmen, sondern mehrere, die sich unterschiedlich rund um den Globus bemerkbar gemacht haben und und an möglichst vielen verschiedenen Stellen unterschiedliche Spuren hinterlassen haben.
4.) Der Beginn des 2.Weltkrieges mit dem Überfall auf Polen am 1.September 1939. Es gibt wohl keine Chronik rund um die Welt, die davon nicht berichtet und seitdem den Verlauf des Krieges beobachtet. Vorteil: für fast jede Schlacht des Krieges gibt es auch irgendwo Angaben oder Bezeugungen, von denen man damit zurückrechnen kann. Nicht nur papierschriftliche Berichte, sondern Friedhöfe, steinerne Grab- und Gedenksteine, Bombenkrater, versunkene Kriegsschiffe usw. lassen sich rund um die Erde finden und würden die Datierung auch späteren Archäologen erleichtern. Insbesondere unsere "Das darf nie vergessen werden"-Tradition und die unterschiedlichsten Arten der Völker, sie zu verwirklichen, sorgt für eine nachhaltive Konservierung dieser Ereignisse, deren Beginn man dann als Fixpunkt für den Kalender nehmen könnte.

Viele Grüße, Bernhard



-----------------
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Albert Einstein



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cramilu
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"Entschuldigung, [...]"
Bernhard, keine Not! Das mag von mir ein wenig als Selbstbeweihräucherung rübergekommen sein, war jedoch als bloßer Erinnerungsbericht runtergetippt 🙄

Dein Vorschlag mit zehn Monaten hat was! Und sei es nur, dass der Schaltmonat dann einen 42. Tag hätte - Douglas Adams lässt grüßen 😎

Bloß, dass man das mit der Sechs-Tage-Woche wohl schon im Ansatz gleich wieder wird "beerdigen" müssen. Fände kaum Akzeptanz.
Ob sie zudem automatisch "arbeitnehmerfreundlicher" wäre, wage ich auch zu bezweifeln. Trotzdem: Coole Idee!

Kriegerische "Schlüsselereignisse" mag ich genausowenig wie solche, die vornehmlich religiös zu begründen wären. Daher auch mein Bestreben, interkulturell einigungsfähige astronomische Ereignisse aufzuspüren, für die ein Besuch eines beliebigen, halt State-Of-The-Art-Planetariums, ausreichen würde, um zweifelsfrei zu bestätigen: "Jepp! Diese Sonnenfinsternis in Südostasien muss vom "11.11.2020 n.Chr." aus genau 2.284.913 wirklich vergangene Sonnentage zurückliegen!" So oder ähnlich. Und dann: Jede Kultur zurück zu den Geschichtsbüchern und prüfen, wo man sich warum um Tage, Wochen, Monate, Jahre oder gar Jahrzehnte geirrt wenn nicht selbst betrogen hat ;)

Einen schönen Sonntag Abend noch!



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thureduehrsen
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2020-07-26 19:13 - Bernhard in Beitrag No. 10 schreibt:
[...] Nicht nur papierschriftliche Berichte, sondern Friedhöfe, steinerne Grab- und Gedenksteine, Bombenkrater, versunkene Kriegstschiffe usw. lassen sich rund um die Erde finden und würden die Datierung auch späteren Archäologen erleichtern. Insbesondere unsere "Das darf nie vergessen werden"-Tradition und die unterschiedlichsten Arten der Völker, sie zu verwirklichen, sorgt für eine nachhaltive Konservierung dieser Ereignisse, deren Beginn man dann als Fixpunkt für den Kalender nehmen könnte.
[...]

Hallo Bernhard!

Froh müssen wir sein, dass Kalender bereits erfunden worden sind.
Steuern wir auf ein Digitalisierungszeitalter zu, in dem immer weniger ohne technische Hilfsmittel lesbare, gar wahrnehmbare Artefakte entstehen? Die könnte man dann ja nicht als Fixpunkt eines Kalenders hernehmen!

mfg
thureduehrsen



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Bernhard
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.13, eingetragen 2020-07-26


2020-07-26 20:43 - thureduehrsen in Beitrag No. 12 schreibt:
Froh müssen wir sein, dass Kalender bereits erfunden worden sind.
Steuern wir auf ein Digitalisierungszeitalter zu, in dem immer weniger ohne technische Hilfsmittel lesbare, gar wahrnehmbare Artefakte entstehen? Die könnte man dann ja nicht als Fixpunkt eines Kalenders hernehmen!

Hallo thureduersen!

Du sprichst etwas an, an was ich auch immer denken muß: Was wird man später mal von uns ausgraben? Das Mikroprstik in neuen Gesteinsschichten könnte der einzige Hinweis sein.
Ich bin hauptberuflich in einem Archiv angestellt und dort haupsächlich für die Digitalisierung der Archivalien zuständig. Das ist schon sehr interressant und macht mir auch Spaß und die digitale Vorlage eines Bestandes macht die Recherche natürlich immens einfacher. Aber zur dauerhaften Konservierung ist das nicht geeignet. Abgesehen davon, daß CDs, DVDs und Festplatten im Verhältnis keine besonders lange physische Lebensdauer haben, müßte man ja auch alle paar Jahre, wenn neue Software auf den Markt kommt und die alte inkompatibel zu werden droht, die Datenträger wieder kopieren.
Wir werfen also niemals analoge Originale weg.

@ cramilu:
Wenn Du keine Kriegsereignisse möchtest, dann nimm ein Nuturereignis aus jüngerer - damit meine ich historisch belegbarer - Zeit. Allerdings sind auch hier - leider - katastrophen noch immer die am besten dokumentierten Ereignisse. Eines währe z.B. der Ausbruch der Laki-Krater in Island am 8. Juni 1783. Der hatte weltweite und nachhaltige Auswirkungen auf das Klima allgemein und das Wetter der folgenden Jahre insbesondere , auf die Flora und Fauna, auf die geologischen Struturen. Mißernten und andere Ereignisse drumherum sind dann in unterschiedlichen Chroniken ebenfalls dokumentiert.
Oder Du suchst Dir ein Ähnliches aus dieser Liste aus:
hier

Viele Grüße, Bernhard


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cramilu
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.14, vom Themenstarter, eingetragen 2020-07-27


@thureduehrsen:
In Deiner Aussage liegt, wie Bernhard bereits eindringlich konkretisiert hat, viel bedenkenswertes!

@Bernhard:
Sogar oder vielleicht gerade als Informatiker muss ich Dich bestätigen, dass für die Erhaltung von Kultur und damit Geschichte die analogen Originale immer noch die besten "Datenträger" sind! Als eingefleischter Naturalist und Rationalist, der gott-frei (nicht zu verwechseln mit "gott-los"!) an Dinge herangeht, ist für mich etwa eine originale Gutenberg-Bibel dennoch eine Kostbarkeit! Eine digitalisierte Version davon kann kulturell betrachtet immer nur ein "Abklatsch" bleiben. Konservierung ist hier für mich nicht das vorrangige Ziel, sondern digitale, virtuelle Verfügbarmachung. Zu "Wikipedia" beispielsweise kann man stehen wie man mag. Als Jugendlicher war es immer mein Traum, einmal eine vollständige gedruckte Version der "Encyclopedia Britannica" zu besitzen. Die 2010-er war dann die letzte! Kostet um die 1.500 Euro, wenn man überhaupt noch eine kriegt. Warum hat der Verlag so entschieden? Ich hatte das seinerzeit schon online mitverfolgt: Bei unzähligen Quer- und Gegentests mit bereits der damaligen "Wikipedia" musste ein gedrucktes Werk in Sachen Aktualität, potenzieller fachlicher Expertise und Verweisvielschichtigkeit dauerhaft unterlegen bleiben! Und "Wikipedia" leistet eben bei aller Kritik genau das: Breitestes aktuelles, regelmäßig kritisch geprüftes Wissen aus zig Fachbereichen weltweit mehrsprachig verfügbar machen. Aber freilich sollte man sämtliche historischen Quellenmaterialien weiterhin analog erhalten! Sie bleiben unsere kulturellen "Quittungsbelege" ;)

Zu Naturkatastrophen:
Wäre unbedingt eine Möglichkeit. Wenn auch in der Tat keine fröhliche. Gleich Eintrag #3 in der von Dir verlinkten Liste zeigt jedoch schon wieder auf, was ich daran zu bekritteln habe: "[Eruptionsbeginn] 24. August 79 um 13 Uhr (oder eher zwei Monate später im Herbst)". Mich hat's fast zerrissen. Erst eine peinlich genaue Zeitangabe, dann eine vage Relativierung. Was soll das denn bringen?! Ok: Einen spontanen Brüller. Auch nicht das ungesündeste ;)



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Bernhard
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.15, eingetragen 2020-07-30


Hallo cramilu!

Wenn Du etwas wirklich Spektakuläres aus neuerer Zeit haben willst, so nimmt die Eröffnung des Berliner Flughafens. Nur weiß man halt nicht genau, ob man das als fröhliches Ereignis oder als Katastrophe werten soll..🙄

Bernhard


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Dixon
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.16, eingetragen 2020-07-30


2020-07-30 00:17 - Bernhard in Beitrag No. 15 schreibt:
Wenn Du etwas wirklich Spektakuläres aus neuerer Zeit haben willst, so nimmt die Eröffnung des Berliner Flughafens. Nur weiß man halt nicht genau, ob man das als fröhliches Ereignis oder als Katastrophe werten soll..🙄

Ich fände es nicht gut, wenn die meisten von uns negative Sterbedaten auf dem Grabstein hätten...

Meine Vorschläge für einen neuen Nullpunkt wären 1883 und 1241.

Grüße
Dixon


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cramilu
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.17, vom Themenstarter, eingetragen 2020-07-30


@Bernhard @Dixon:

Mit Eueren Spitzen zum BER habt Ihr mir kurz vor dem Zubettgehen noch ein belustigtes Wiehern entlockt 😄

@Dixon:

Zu 1241 und 1883 habe ich in meiner Erinnerung spontan nichts nennenswertes gefunden und darum bei WIKI etc. nachgestöbert...
1241; ich bin völlig ratlos, was selten vorkommt!
1883; Bismarcks Sozialgesetzgebung? Orient-Express? Robert Koch? Krakatau? Halma?



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Bernhard
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.18, eingetragen 2020-08-01


1241?
Ich nehme an, da hat Herta Berlin den DFB Pokal geholt..😛

Bernhard


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AnnaKath
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.19, eingetragen 2020-08-01


Huhu Bernhard,

meinst Du die Eckkneipe in Kreuzberg? Die gab es im 13. Jhdt. vermutlich noch nicht.

Ansonsten sind die einzigen Haupstadtclubs*, die jemals so etwas wie einen deutschen Pokal gewonnen haben, solche aus Wien (offensichtlich in einer ziemlich unrühmlichen Zeit).
Jedenfalls wenn Du die Sportart meinst, die vermutlich die meisten intuitiv als besprochen ansehen.

lg, AK.

*) Für alle Bayern unter uns: München ist keine Hauptstadt...



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cramilu
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.20, vom Themenstarter, eingetragen 2020-08-01


@Dixon:

Du tust mir das schlimmstmögliche an, nämlich spannende Andeutungen zu machen und mich dann darauf "verhungern" zu lassen... 🤔

@Bernhard:

Na, aus der Gehässigkeitsdose genascht, was?!
Immerhin haben die Hertha zweimal, und der FC Union einmal das Finale erreicht.
Wie steht es denn demgegenüber mit Teams aus dem Breisgau?

@AnnaKath:

Was ist das denn für ein Ausrutscher? Wien war zu keinem Zeitpunkt deutsche Hauptstadt, und Landeshauptstadt ist München sehr wohl! Wäre man hier sehr generös, dann könnte man Frankfurt am Main... NEI-EN: 1848 "bloß" Sitz der Paulskirchenversammlung und 1948 Wahl verloren gegen Bonn - also Essig!

allgemein zu "Lokalkolorit" und "Regionalgefrotzel":
Als Einwohner Mittelfrankens mit schwäbischem Migrationshintergrund habe ich quasi eine bayerische Freistaatsbürgerschaft inne. Nicht das schlechteste! Für mich selber habe ich gelernt, sich erst einmal das bewusst zu machen, was man qua eigener Landsmannschaftlichkeit nicht gebacken kriegt, bevor man sich über fremde Sippschaften emporstilisiert. Dass etwa Schwaben kein Hochdeutsch können, ist mehr als politische Koketterie! Und wenn ich mich noch so anstrenge: Nasale und nachlässig kontrollierte Frikative sind mir wohl nicht auszutreiben. Auch nicht die Auswirkung der - immerhin konsequenten! - "Dritten Lautverschiebung", das Verzischeln von Inlaut-"ST" zu "scht"; Beispiel "geschtern". Sonstige belegbare Schwächen von Schwaben: Werden angeblich mit 40 "gscheit" und halten sich ab da auch strikt dafür. Es soll andere Kulturen und Individuen geben, wo das nicht nur weniger lange dauert, sondern auch tatsächlich nachhaltig wirkt! Ein Schwabe, Gottlieb Daimler aus Schorndorf, der Stadt meines gymnasialen Werdeganges, hat das Motorrad erfunden. Das Auto nicht - der Kurpfälzer Carl Friedrich Benz war's! Aber da sind die Schwaben stur. Wie bei der Bahnhofsplanung für die Landeshauptstadt oder der Verkehrsplanung allgemein...
Doch genug des Schwaben-Bashings. Weiteres nur auf eindringliche Anfrage. Mit Durchschlag. Da sind "wir Schwaben" nämlich auch penibel! 😎


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ODERINT DUM NERVOS NE VEXENT!




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Dixon
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.21, eingetragen 2020-08-04


... bin ja wieder da...

Im Jahre 1883 wurde endlich die freudige Botschaft verkündet, daß Gott tot ist. Seitdem kann niemand mehr behaupten, sie oder er hätte von nichts gewußt.
1241 starb Ügedei Khan. Die Mongolen standen schon vor Wien, sie zogen sich zur Wahl eines neuen Khans zurück und kamen nicht wieder. Sonst wären sie sicher durchgeritten bis zum Atlantik. Was das für Mitteleuropa bedeutet hätte, sieht man heute noch an der arabischen Welt. Bagdad z.B. war eine blühende Metropole, viel fortgeschrittener als die Städte Europas. Die Siege der Mongolen führten auch zu einer theologischen Krise, in deren Folge sich orthodoxe Vorstellungen des Islams durchsetzten. Man stelle sich ein Mitteleuropa vor, daß auf dem Stand des Mittelalters hängen geblieben wäre...

Grüße
Dixon



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cramilu
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.22, vom Themenstarter, eingetragen 2020-08-05


@Dixon: Danke für die Klarstellung 😎

zu 1883:

Nietzsche: "Gott ist todt. [...]"
Monotheist: "Blasphemie!"
Pantheist: "Nö! Wie sollte etwas sterben können, das als Urgrund eins ist mit dem gesamten Kosmos, ohne dass dabei der gesamte, ja unzweifelhaft noch vorhandene Kosmos mit stärbe!?"
Atheist: "Nö! Wie sollte etwas sterben können, das ja gar nie wirklich exisitiert, geschweige denn gelebt hat!?"
Wahrer Nihilist: "Na, und!?"
Nietzsche: "Gott bleibt todt. [...]"
Monotheist: "Häresie!"
Rationalist: "Nö! Wie soll etwas in einem Zustand verharren können, wenn weder es selbst noch demzufolge sämtliche potenziell damit zusammenhängende Zustände je existiert haben!?"
Wahrer Nihilist: "Na, und!?"
Nietzsche: "Und wir haben ihn getödtet! [...]"
Monotheist: "Hmm... Dem Bußfertigen vergeben, oder den Frevler steinigen?"
Pantheist: "Nö! Wie hätten wir als bloßer kleiner Teil des Kosmos den Urgrund beseitigen können, ohne uns dabei zwangsweise selber mit zu vernichten!?"
Atheist: "Nö! Wie sollten wir etwas getötet haben können, das ja gar nie wirklich exisitiert, geschweige denn gelebt hat!?"
Wahrer Nihilist: "Na, und!?"
Nietzsche: "Wie trösten wir uns, die Mörder aller Mörder?"
Monotheist, Pantheist, Atheist und Rationalist schauen etwas ratlos.
Wahrer Nihilist: "Kühles Bierchen gefällig?"

>>> Den "Tod Gottes" als persönliche Allmacht hatte jedoch bereits
>>> Spinoza "verursacht" - wahlweise 1670 oder 1677.

zu 1241:

1.
Die Mongolen könnten auch rein militärstrategisch zum Abbruch ihres Feldzuges genötigt gewesen sein, und zwar aufgrund drastischer Wetterbedingungen gegenüber vielen Vorjahren:


2.
Bereits an der Belagerung von Liegnitz hatten sich die Mongolen erfolglos die Zähne ausgebissen. Der - streitbare! - Geschichtswissenschaftler Jan von Flocken hat zeitgenössische Angaben zur Größe des Mongolenheeres auf bis zu ein Zehntel[!] korrigiert. Diejenigen zu den Heergrößen von Schlesiern und Ungarn ebenso. Jedenfalls darf man wohl von deutlich weniger als "150.000" mongolischen Reitern ausgehen, und spätestens nach der folgenden Schlacht bei Muhi musste jedem mitteleuropäischen Kriegsherrn die Parther-Taktik der Mongolen bekannt sein. Dass die damit "durchmarschiert" wären, und zwar unter erforderlicher Einnahme sämtlicher strategisch wichtiger gut befestigter Städte in Deutschland und Frankreich, dazu noch ohne heftige Gegenwehr durch dann sicherlich vom Kreuzzug zurückgerufenen Ritterheere, erscheint mir höchst[!] unwahrscheinlich. Gut... vielleicht durch die Norddeutsche Tiefebene bis Holland. Um dann ihren Daheimgebliebenen "Tulpen aus Amsterdam" als Kriegsbeute mitzubringen!?

3.
1246, nur gerade einmal 5 Jahre nach ihrer vernichtenden Niederlage bei Muhi, konten die Ungarn militärisch schon wieder "frech" werden, unterlagen jedoch in der Schlacht an der Leitha den Österreichern. Die militärische "Auffrischungsreserve" in Deutschland und Frankreich wäre wohl kaum geringer gewesen als die der Ungarn, während die Mongolen solche Reserven nicht hatten.

4.
Die "arabische Welt" hatte die Mongolen als Krisenauslöser niemals nötig. Ich empfehle dazu "Die sieben Säulen der Weisheit" von T. E. Lawrence ("Lawrence von Arabien"). In der "arabischen Welt" gab und gibt es stets genügend innere Krisenherde, welche allein durch Hegemonialstreben unterschiedlichster "Stämme" befeuert wurden und werden.

5.
Mitteleuropa hat es nach 1241 auch ohne Mongolen effektiv vermocht, weitere 250 Jahre Mittelalter zu zementieren. Da hat sich institutionalisiertes Christentum als genau so "effizient" erwiesen wie der Islam andernorts. In manchen Bereichen könnte man sogar knapp 800 Jahre nach den Mongolen noch eine "mittelalterlich" zu nennende Grundhaltung vermuten...


Mein Fazit:

Weder 1883 noch 1241 eignen sich nach meinem Dafürhalten auch nur ansatzweise als "Nulljahre" für eine Zeitrechnung!

Weitere "Kandidaten" diskutiere ich leidenschaftlich gerne... 😉


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Dixon
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.23, eingetragen 2020-08-12


Hallo cramilu,

Spinoza, dervhat aus dervPhilosophie Mathematik gemcht und dann Sachen bewiesen, die er vorher hineingeheimst hatte. Ich finde ihn nicht sehr überzeugend.

Die Mongolen haben sich aus den unterworfenen Völkern mit Soldaten versorgt. Nachschub war also da.
Auf ihrem Weg nach Westen hatten sie bereits diverse Städte erobert. Ich verweise noch mal auf die damalige arabische Welt. Eine Stadt bestand schon damals nicht für sich, sondern auch aus ihrem Umland. Die eine odêr andere mißglückte Belagerung hat da nicht viel zu sagen.
Außerdem, gegen wen haben denn die Kreuzritter gekämft? Das waren keine "Buschkrieger".
Stammesfehden gab es auch in Europa, das zersplitterte Erste Deutsche Reich spricht dich für sich.
Desweiteren ist Lawrence von Arabien ein Selbstdarsteller gewesen. Man sollte nicht alles für voll nehmen, was er so von sich gab. Schon bei den "Säulen dervWeisheit" stellt sich die Frge: Welche Ausgabe? Die merkwürdige Editionsgeschichte spricht für sich.
Und selbst wenn man ihn für voller nimmt, er beschreibt einen Endzustand, eine Folge, keine Zwischenstufe, keinen Anfang. Europa hât sich aus dem Mittelalter befreit, mehr oder weniger schnell.

Dann also auf zu weiteren lustigen Daten...

Grüße
Dixon



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cramilu
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Zum letzten BeitragZum nächsten BeitragZum vorigen BeitragZum erstem Beitrag  Beitrag No.24, vom Themenstarter, eingetragen 2020-08-16


@Dixon:

Spinoza ist als erster mir bekannter Denker mit moderner philosophisch-logischer Axiomatik ans grundlegende Religionsverständnis herangegangen. Das allein muss letztlich niemanden zwingend überzeugen, aber dann ist auch Nietzsche um keinen Deut überzeugender, bloß weil er im "Zarathustra" ausdrücklich vom "Tod Gottes" sprechen lässt - zumal erst über zweihundert Jahre später.

Wie schon zuvor erwähnt, mag ich als "Nulljahr" grundsätzlich keine zeitlichen Daten, welche irgendwie religiös begründet sind. "Antireligiös" ist nicht wirklich überzeugender - "areligiös" wäre mein Wunsch! Selbst bei "panreligiös", also kulturenübergreifend, aber immer noch mit vorwiegenden Glaubensbezügen auf eine ominöse übermenschliche [All]Macht hätte ich "rationalistisches Bauchgrimmen"...

Demnach kann auch der "Mongolensturm" so oder so nicht infrage kommen, weil mir da zuviel vermeintliche "Verschonung des Christlichen Abendlandes" vor "Islamischen Horden" mitschwingt.
Das langfristige Katastrophenpotenzial eines fortgeführten Feldzuges der "Goldenen Horde" sehe ich wohl grundsätzlich anders als Du. Das ist aber klar akademisch à la "Hätte... hätte... Fahradkette!".

Was T. E. Lawrence anbelangt, so ist sein Hang zur Selbstdarstellung unbestritten. Bei den "Sieben Säulen der Weisheit" hat er jedoch ausdrücklich öffentlich betont, kein Geld damit verdienen zu wollen, und am Ende hat er für Drucklegung gegenüber Buchverkauf aus eigener Tasche draufgelegt!
"Die merkwürdige Editionsgeschichte spricht für sich."
- NEIN, tut sie nicht!
Sie ist schlicht die Folge der Entstehungsgeschichte und der persönlichen Bildungs-Vorgeschichte von Lawrence. Auch war vieles inhaltliche den "großen" Verlegern politisch suspekt, weil sich Lawrence' Forderungen nicht mit der realen britischen kolonialen Machtpolitik vertrugen, weil das Bild Arabiens, das er zeichnete, den zur Realpolitik "passenden" etablierten Stereotypen widersprach, weil Schilderungen homosexueller Neigungen von Geschehnisbeteiligten zu jener Zeit in Großbritannien als höchst unschicklich galten, wo Homosexualität immer noch gesetzeswidrig[!] war, und so weiter und so fort. Das alles schmälert jedoch in keiner Weise den Gehalt seiner kulturgeschichtlichen Bewertungen der Araber im Buch, wie Du es anzudeuten scheinst!
Dennoch: Da es auch mit meinem Nebenargument letztendlich um die Beurteilung eines Zusammenhanges mit stark religiös-kulturellen Widersprüchen geht, kann das alles im Endeffekt so oder so nicht maßgeblich sein für ein kalendarisches "Nulljahr".

###

Eben auch weil es noch vor dem Beginn des jüdischen und damit folgerichtig vor dem der christlichen und mohammedanischen Kalender liegt, hatte ich ja bislang mit meinem "Nulldatum" eines im fünften[!] vorchristlichen Jahrtausend favorisiert.
Die ersten wirklich im heutigen Sinn als "Städte" geltenden menschlichen Siedlungen datieren auch aus solcher Zeit, und das wäre für mich in Verbindung mit einem auf Jahr und Tag rückberechenbaren astronomischen Ereignis wie etwa einer Finsternis quasi ein "Traumziel"...


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Goswin
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2020-08-05 20:44 - cramilu in Beitrag No. 22 schreibt:
Nietzsche: "Gott ist todt. [...]"
Monotheist: "Blasphemie!"
Pantheist: "Nö! Wie sollte etwas sterben können, das als Urgrund eins ist mit dem gesamten Kosmos, ohne dass dabei der gesamte, ja unzweifelhaft noch vorhandene Kosmos mit stärbe!?"
Atheist: "Nö! Wie sollte etwas sterben können, das ja gar nie wirklich exisitiert, geschweige denn gelebt hat!?"

Relativist: "Nietzsche ist todt (ganz sicher)"
Christ: "...gewesen und wieder auferstanden (was wissenschaftlicht bis heute noch nicht erklärt ist)"


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/Kyristo meu kimgei kom nhi cumgen ta Gendmogen.



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